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Geschichte Städtepartnerschaft

Wappen  Nucourt

Geschichte einer Partnerschaft - Wenings/Nucourt

 

Als im Jahre 1961 eine französische Deligation von Kommunalpolitikern, der unter anderem auch der Bürgermeister von Nucourt, Herr Gernigon angehörte, die Bundesrepublik bereiste und dabei auch dem Städtchen Wenings einen Besuch abstattete, dachte noch niemand daran, daß sich im Laufe der Zeit eine so langanhaltende Freundschaft zwischen Menschen der deutschen und französischen Nation anbahnen würde. Aber zwischen den beiden Bürgermeistern Jean-Marc Genigon und Karl Lang entstand so etwas wie "Liebe auf den ersten Blick".

Eine Einladung wurde ausgesprochen und bereits im folgenden Jahr fuhr eine Abordnung unter der Leitung des inzwischen verstorbenen Karl Lang und Pfarrer Feix nach Nucourt, um Land und Leute kennenzulernen. Sie nahmen damals an den Verschwisterungsfeierlichkeiten von Nucourt mit der belgischen Stadt Lacuisine teil. Wahrscheinlich entstand zu dieser Zeit der Gedanke auf beiden Seiten, die Verschwisterung auch auf Wenings auszudehnen. Nach diesen beiden ersten Treffen blieb es zunächst bei einem brieflichen Gedankenaustausch. Aber in Nucourt wurden bereits Pläne geschmiedet, mit einer größeren Gruppe nach Wenings zu fahren. Im Sommer 1965 waren alle Vorbereitungen getroffen. Im Rahmen einer Fahrt durch Hessen sollte auch Wenings besucht werden. 26 Einwohner aus Nucourt beteiligten sich unter der Leitung von Bürgermeister Gernigon an dieser Studienfahrt. Nach Besichtigungen in Frankfurt (Main) und Rainrod wurden sie in Wenings begrüßt und waren zwei Tage Gäste der Einwohner. Wenn es auch Sprachschwierigkeiten gab, so entstand doch bald ein herzliches Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen.

Eine darauf von Nucourt vorgeschlagene Verschwisterung mit Wenings wurde zunächst zurückgestellt, um die Kontakte zwischen den beiden Partnern noch zu vertiefen. Ein von Pfarrer Feix im Sommer 1966 vorgesehener Jugendaustausch kam leider nicht zustande. Damit schien das Ende einer erst begonnenen Freundschaft gekommen zu sein.

Wieder kam die Initiative von der Gemeinde Nucourt in Form einer Einladung. Bereits ein Jahr später, Ende April, Anfang Mai 1967 fuhren ca. 40 Personen nach Nucourt anläßlich des dort stattfindenden Tanz- und Folklorefestivals. Alle waren sehr beeindruckt von der Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit, die den Weningsern von den Einwohnern zuteil wurde. Außer den deutschen Gästen waren es Slowaken, Belgier und Franzosen aus der Bretagne, die sich im dortigen Bürgerhaus, auf dem Festplatz und vor der Kirche trafen.

Im Laufe des Beisammenseins wurden auch die ersten Gespräche über die nun von beiden Seiten gewünschte Verschwisterung geführt. Die Ausführungen und Gestaltung dieses Vorhabens wurde in einem regen Briefwechsel festgelegt.

1969 war es dann soweit. In Nucourt fand die feierliche Verschwisterung statt, an der sich neben einer starken Abordnung aus Wenings unter der Führung von Bürgermeister Karl Neun alle Einwohner von Nucourt und eine Deligation der belgischen Partnerstadt Lacuisine beteiligten. Die Feier stand unter der Schirmherrschaft des Präfekten von Pontoise und war für alle beteiligten ein eindrucksvolles Erlebnis. Dabei wurde vereinbart, daß im folgenden Jahr die Verschwisterung in Wenings besiegelt werden sollte. So fuhren dann Anfang Juni 1970 62 Einwohner aus Nucourt nach Wenings. An der Autobahn bei Hanau wurden sie schon in Empfang genommen und durch eine Autokolonne bis Wenings begleitet. Am 5. Juni 1970 wurde in einer Feierstunde in der Festhalle unter Anwesenheit hoher Persönlichkeiten und vieler Bürgermeister des Bezirks Gedern die Verschwisterung vollzogen. Urkunden und Geschenke wurden ausgetauscht, Reden in deutscher und französischer Sprache gehalten, Tänze aufgeführt und Lieder in beiden Sprachen gesungen. Es war für alle eine unvergessliche Veranstaltung.

Im Jahre 1972 fuhr eine Gruppe von 38 Personen aus Wenings nach Nucourt, um die Freundschaft weiter zu vertiefen. Initiator war Hans-Joachim Flach.

Inzwischen lief auch durch die Volkshochschule ein französischer Sprachkurs an, für den sich anfangs über 30 Teilnehmer interessierten.

Im Jahre 1973 reifte schließlich ein Plan heran, der ebenfalls von Hans-Joachim Flach stammt, nämlich den früheren Platz "Kegelhaus" neu zu gestalten und ihm den Namen "Platz Nucourt" zu geben, um auch äußerlich die Verbundenheit zwischen Wenings und Nucourt zu dokumentieren. In einer Gemeinschaftsarbeit Weningser Bürger entstand ein Werk, das die Verschwisterung der beiden Partnerstädte symbolisieren soll. An Pfingsten 1974 wurde in Anwesenheit einer großen Zahl von französischen Gästen und der Bevölkerung von Wenings der "Platz Nucourt" eingeweiht.

--- aus dem Buch "650 Jahre Stadt Wenings" 1336-1986 ---

Alle 2 Jahre treffen sich seither die Bürger beider Gemeinden abwechselnd in Nucourt und in Wenings zu offiziellen Treffen. Ungezählt sind die vielen privaten Kontakte, die jeweils dazwischen stattfinden. Zu Hochzeiten, Ferien, Geburtstagen und vielem mehr finden sich Bürger aus Nucourt in Wenings und Weningser in Nucourt ein. Es ist in den Jahren mehr als Freundschaft geworden - eine ganz große Familie - zur Freude aller Beteiligten.

Um zu Verstehen, was sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, muss man bei den Treffen dabei gewesen sein. Über Generationen ist der Kontakt weitergegeben worden, nicht selten nunmehr schon in der 3. oder gar 4. Generation. Bei jedem Treffen, jeder Fahrt oder jedem Besuch machen sich die Gastgeber aber auch die Gäste viele Gedanken. Mit viel Liebe zum Detail werden Gastgeschenke entworfen bzw. erarbeitet, werden gemeinsame Ausflüge geplant, Festessen mit bis zu 300 Personen arrangiert. Jede einzelne Veranstaltung ist ein Highlight. Seit 1974 finden die gegenseitigen Besuche statt: 1976, 1980,1984, 1988, 1992, 1996, 2000, 2004, 2008, 2012 und 2016 in Nucourt; 1978, 1982, 1986, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006, 2010 und 2014 in Wenings in Wenings. Zuletzt traten an Pfingsten 2016 wieder 73 Personen die Reise nach Nucourt an. Im gecharterten Doppeldeckerbus fuhren 47 Personen in die Partnerstadt, die restlichen Personen reisten mit eigenen PKWs und mit dem Zug an.

Bei der vorletzten Fahrt nach Nucourt im Jahr 2012 reiste nach 1992 bereits zum zweiten Mal der Gemischte Chor 1843 Wenings e.V. unter der Leitung von Jörg Schäfer mit in die Partnerstadt, um dort das offizielle Programm mit einigen Liedern zu bereichern. Der Chor wurde hierbei durch zahlreiche Mitglieder des Verschwisterungsvereins unterstützt, die teilweise bereits seit Oktober 2011 an den wöchentlichen Chorproben des Gemischten Chores teilnahmen.

Bei der Fahrt 2016 wurde dann von den Weningser Fahrtteilnehmern ein Projektchor gegründet, der vom Ehrenvorsitzenden Hans-Joachim Flach dirigiert und von Hans-Jürgen Riewe und Robin Dittmann an der Gitarre begleitet wurde.


Nun einige Höhepunkte und Ereignisse sollen hier doch erwähnt werden, z. B. die Verleihung der EHRENBÜRGERRECHTE AN JEAN-MARC GERNIGON im Jahre 1982, die Jubiläumsfeier 650 Jahre Stadt Wenings, als eine große Deligation aus Nucourt unter anderem auch an dem Festzug teilnahm und Napoleon so treffend dargestellt hat und das Jahr 1994 in dem das 25-jährige Jubiläums stattfand. Am Platz Nucourt wurde ein Festzelt aufgestellt und unter großer Anteilnahme von Bürgern beider Gemeinden der von Hans-Joachim Flach geplante und von Weningsern errichtete Brunnen in Betrieb genommen wurde.

Im September 1994 wurde im Bürgerhaus in Wenings der Verschwisterungsverein Wenings/Nucourt eV gegründet. Auf Einladung von Hans-J. Flach fanden sich viele Freunde der Partnerschaft ein und beschlossen, die Zukunft der Freundschaft in die Organisation eines Vereins zu legen. Hans-Joachim Flach wurde der 1. Vorsitzende. Er dankte allen Bürgern von Wenings, die uneigennützig in den vergangenen Jahren diese Freundschaft gestaltet und getragen haben.

Im Jahre 1997 fand der geplante Wechsel im Vorsitz statt, nach über 25 Jahren Verantwortung für die Freundschaft Wenings/Nucourt wurde Hans-J. Flach zum Ehrenvorsitzenden des Verschwisterungsvereins ernannt und sein Nachfolger Thomas Kehm gewählt. Unter seinem Vorsitz und einer "jungen Mannschaft" hat die Verschwisterung mit Nucourt den "Generationswechsel" hervorragend gemeistert und die letzten offiziellen Treffen fanden mit hoher Beteiligung von Jugendlichen beider Gemeinden statt.

Nachdem Thomas Kehm dann 2005 aus beruflichen Gründen nicht mehr als Vorsitzender kandidierte, folgte ihm Hartmut Lang in dieser Position. Hartmut Lang bekleidete das Amt 6 Jahre und wurde im März 2011 vom seitherigen 2. Vorsitzenden Frank Gerhardt abgelöst. Er hat von seinen Vorgängern ein spannendes Amt übernommen und wird dabei von seinen Vorstandskollegen tatkräftig unterstützt: Jörg Dittmann (2. Vorsitzender), Silke Büchse (Rechnerin), Nadine Strauß (Schriftführerin), Susanne Heusohn, Manuela Freymann, Marco Gerhardt, Bettina Pomberg und Stefan Eifert (Beisitzer/innen) sowie als Vertreter des Ortsbeirates Alfred Lang.

 

In Nucourt wurde vor einigen Jahren ebenfalls ein Verschwisterungsverein gegründet, dessen aktueller Präsident  seit Anfang 2017 Serge Castelli ist. Seine Vorgänger in diesem Amt waren Gérard Legros, Yolande Billot und Jean Victor Risetto. Die weiteren Mitglieder des aktuellen Vorstandes sind Hervé Marie (Vizepräsident), Yolande Billot (Rechnerin), Sandra Piedeleu (Schriftführerin), Jean Victor Risetto, Jacqueline und Michel Walter, Benjamin und Philippe Billot, Elodie Piedeleu und Thibault Castelli (Beisitzer/innen).


Es bleibt zu wünschen, daß es in Zukunft immer engagierte Bürger geben möge, um diese so wunderbare Freundschaft zweier Gemeinden lebendig zu halten.

An dieser Stelle sei auch ein herzliches "Dankeschön" den Bürgermeistern von Nucourt und Wenings bzw. Gedern für die Begleitung dieser Freundschaft gesagt.
Es war sicherlich Vieles nicht einfach und so wurde es "einfach gemacht".
Folgende Bürgermeister/innen unterstützten bisher die Verschwisterung:


Die Bürgermeister von Wenings, bzw. Gedern: Karl Lang, Karl Neun, Walter Merle, Rainer Schwarz, Wolfgang Zenkert, Stefan Betz und Klaus Bechtold, Guido Kempel.
Von Nucourt: M. Jean-Marc Gernigon, Mme. Odile Diwicki, M.Alain Prache, Jean-Claude Impens, Philippe Flahaut