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Wildtiere werden geschützt

Wenings, den 12.04.2014

Wie in jedem Jahr fordert die Maschinenarbeit auf Wiesen und Feldern ungezählte Opfer unter Rehkitzen, Hasen und Bodenbrütern wie Rebhuhn, Kiebitz und Brachvogel. Im Frühjahr sind es die Jungtiere und die Gelege, die den landwirtschaftlichen Maschinen nicht ausweichen können. Im Laufe des Jahres kommen dann weitere Opfer dazu – denn anstatt zu flüchten, drücken sich die Wildtiere aus Angst vor der Maschine auf den Boden. In jedem Frühjahr werden mit Beginn der Mäharbeiten in der Bundesrepublik nach Schätzung der Deutschen Wildtierstiftung rund 500.000 Tiere zerhäckselt und zerstückelt, weil die möglichen konventionellen Schutzmaßnahmen nicht greifen.

Hiergegen wollen Jäger und engagierte Landwirte etwas unternehmen: Zur Rettung von Rehen, Hasen, Rebhuhn, Kibitz und Co. vor dem Mähtod wird jetzt im Bereich des Hegerings Gedern ein neues Verfahren erprobt. Finanziert vom Hegering Gedern und dem Jagdverein Hubertus Büdingen, wurden jetzt die ersten drei „Schallkanonen“ angeschafft. Die Wirkungsweise dieser Geräte erläuterte Andreas Mohr, Leiter des Jagdvereins Hubertus Büdingen, jetzt den Weningser Landwirten auf den Wiesenflächen An der stumpfen Kirche.

„Die Geschichte der Sorge um das Verletzen und Töten von Wildtieren bei Mäharbeiten ist nahezu uralt. Denn bereits in Zeiten der Sensenmaht kam es zur Schädigung von lagerndem Wild und Gelegen. Als die ersten Traktoren in die Landwirtschaftlich Einzug hielten, hatten die Bauern zum Vertreiben von Wild unter anderem Ketten, Rasseln und Metallseile an ihre Maschinen montiert, um die Tiere zum Aufstehen und Fortlaufen zu animieren. Die Sorge um wildlebende Tiere hat sich heutzutage noch verschärft, weil der erste Grasschnitt bereit schon im April statt findet und diese frühe Maht direkt in die Brut- und Aufzuchtszeit des Wildes hinein fällt“, berichtete Mohr. Durch das auf- und abschwellende Geräusch mit sehr hohen Frequenzen aus der Schallkanone, die auf dem Fahrzeug mit einem Magnet befestigt ist, würden die Tiere aufgescheucht. Der Fahrer habe eine Chance, sie im Bewuchs überhaupt zu erkennen und rechtzeitig anzuhalten, so Mohr.

Bei ersten Testläufen mit dem Einsatz von Schallkanonen im vergangenen Jahr seien 85 Prozent weniger Wildtiere ausgemäht worden als in Vergleichsflächen ohne Schallkanone. „Für die Landwirte hat der Einsatz den Vorteil, dass sie ihrer gesetzlichen Pflicht zur Vorsorge nachkommen und zudem die Verunreinigung der Silage und des Heus erheblich verringert wird“, unterstrich Mohr. Die Tötung von Junghasen, Rehkitzen, Fasanen und Gelegen bei Mäharbeiten auf Wiesen sei aber nur ein Bruchteil des Schadens. Denn auch Wildtiere, die auf Zuckerrübenfeldern oder Maisäckern Deckung suchen, seien durch den oftmals 24-stündigen Einsatz großer Erntemaschinen extrem gefährdet. „Deswegen haben wir unsere Sorge auch auf diese Kulturen der Landwirtschaft ausgedehnt und wollen die Landwirte sensibilisieren, die Schallkanone auch außerhalb der Mäharbeiten einzusetzen, damit ein Großteil der Wildschäden vermieden werden kann“, so Mohr.

Alle am Pilotprojekt Beteiligten erhoffen sich mit dem Einsatz der Geräte einen Beitrag zum Erhalt vieler Tiere zu leisten und den Startschuss für die Anschaffung von Schallkanonen durch möglichst viele Landwirte zu geben. Die Anschaffungskosten für eine Schallkanone belaufen sich auf 80 Euro.

 

Text & Bilder mit freundlicher Genehmigung: Andrea Hennecke

 

Foto: Leiter des Hegerings Gedern Michael Reeker (2. von links), Revierpächter Dr. Wolfgang Daniel, Jagdpächter Burgbracht Günter Ruth und Leiter Jagdverein Hubertus Büdingen Andreas Mohr (von rechts) erklären die Schallkanone