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Verein Prager Haus Apolda auf Spurensuche

Wenings, den 22.04.2013

Auf Spurensuche nach den Vorfahren des im Jahre 1888 in Wenings geborenen Juden Bernhard Prager machte sich jetzt eine Delegation des Vereins Prager-Haus Apolda im Gederner Stadtteil. Als Neunjähriger zog Bernhard Prager mit seinen Eltern Salomon und Bertha Prager, die in Wenings eine Fellhandlung betrieben, nach Apolda. Hier führte er später das Fellhandlungsgeschäft seiner Eltern weiter, bis er im Herbst 1942 ins Konzentrationslager nach Theresienstadt deportiert wurde. Im Alter von 56 Jahren starb er im KZ an den Folgen von Unterernährung und Erschöpfung.

„Wir wollen Details über die Familie Prager erfahren und würden gerne eine Art Partnerschaft aufbauen zwischen Wenings und Apolda“, begründeten die evangelische Pastorin aus dem thüringerischen Niedertrebra, Ruth-Barbara Schlenker, und der Geschäftsführer des Vereins Prager-Haus Apolda, Peter Franz, ihren Besuch bei den Weningsern.

Empfangen wurde die sechsköpfige Abordnung aus dem Landkreis Weimarer Land von Hans Erich Kehm in seinem Anwesen und im Beisein von Gederns Bürgermeister Klaus Bechtold, dem Stadtverordnetenvorsteher Markus Heil, dem stellvertretenden Weningser Ortsvorsteher Alfred Lang und der Zeitzeugin Lieselotte Peppel. Letztgenannte hat die Pogromnacht am 9. November 1938  miterlebt und berichtete den Gästen aus Thüringen erschütternde Erinnerungen. Mittels Power-Point-Präsentation informierte die Delegation des 46 Mitglieder zählenden Vereins Prager-Haus Apolda über ihre Arbeit und die Ergebnisse der bisherigen Recherchen über die Geschichte der jüdischen Familie Prager aus Wenings. So etwa erfuhren die Weningser, dass 2007 geschichtlich interessierte und demokratisch engagierte Bürger aus Apolda und Region den erinnerungspolitischen Verein Prager-Haus Apolda gründeten. Als Ziel habe sich der Verein gesetzt, das Geschäftshaus des jüdischen Fellhändlers Bernhard Prager zu einem Lern- und Gedenkort umzugestalten. Der Prager-Haus-Verein hat dieses Anwesen 2009 als Eigentum erworben. Bisher sind die Mitglieder aber nicht über erste Schritte zu seiner Erhaltung hinaus gelangt.

Hans Erich Kehm zeigte den Gästen aus Thüringen historische Fotoaufnahmen – unter anderem auch vom Geburtshaus Pragers in Wenings, das einst in der Untertorstraße gegenüber des Pfarrhauses stand. Auf dem Rundgang durch Wenings führte Kehm die Delegation am ehemaligen Standort des Hauses der Familie Prager vorbei. Weiter führte der Weg vorbei am westlichen Eckturm und der Stadtmauer, durch die Hergottsgasse zur Burg Moritzstein und zur ehemaligen Synagoge und heutigen katholischen Kirche. Nach einer Mittagsrast im Gasthaus der Familie Peppel „Zum Schützenhof“ besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof und die evangelische Kirche Wenings, bevor sie im Gederner Schloss von Bürgermeister Klaus Bechtold in Empfang genommen wurde und sich von Mathilde Sapper durch das Schlossensemble führen ließ.

 

Bild:

In der katholischen Kirche und ehemaligen Synagoge:  Geschäftsführer des Vereins Prager-Haus Apolda, Peter Franz, und evangelische Pastorin aus dem thüringerischen Niedertrebra, Ruth-Barbara Schlenker (von rechts). Hans Erich Kehm (linten links) und Alfred Lang (hinten rechts) und Lieselotte Peppel (3. von rechts)

 

Text & Bild: Mit freundlicher Genehmigung Andrea Hennecke

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Verein Prager Haus Apolda auf Spurensuche